Jul.
07
2013

Ich bleibe mit vollem Herzen Hochspringerin!

 

Ich bleibe mit vollem Herzen Hochspringerin!

 

In den letzten Monaten wurde ich erstaunlicherweise oft gefragt, warum ich mich noch einmal zurückquäle, warum ich mir das antue?

Ja- warum? Zugegeben, das letzte Jahr war nicht gerade das Schönste, was meine sportlichen Erfolge anging, aber eines der Entscheidensten für meine weitere sportliche und private Zukunft.

Ich habe es geschafft, nach einer sehr langen Verletzungspause, ungeschlagen von allen deutschen Springerinnen durch das Jahr zu kommen und mit dem Erreichen der IAAF B- Norm, konnte ich mich für meine zweiten Olympische Spiele qualifizieren. Ich wurde nicht aufgrund meiner schon geleisteten Erfolge und Verdienste rund um den deutschen Hochsprung nominiert, sondern weil Ich als deutsche Meisterin und zum Nominierungszeitpunkt stärkste Springerin, mir diese Nominierung verdient hatte. 

Ich habe das Glück auf der einen Seite einen unheimlich starken und treuen Trainer an meiner Seite zu haben und einen sehr liebevollen und mich immer unterstützenden Lebensgefährten.

Diese beiden Menschen haben mein sportliches Jahr 2012 nicht zur Vollkatastrophe mutieren lassen, sondern gerettet, was zu retten war. Zudem standen meine Familie und meine Freunde geschlossen hinter mir und zusätzlich hat mich mein Mentalcoach Wolfgang Knörzer auf die Spiele optimal vorbereitet.

Nun möchte ich die Frage nach dem "Warum"? kurz beantworten.

London 2012- waren so fantastische Spiele, ich habe alles gegeben, um in das Finale zu kommen, ich habe mehr als meine Gesundheit riskiert und bin leider knapp mit meiner Saisonbestleistung von 1,93m gescheitert. Aber, auch nachdem die Latte zum 3. Mal hintereinander bei 1,96m fiel, konnte ich mit erhobenen Haupt vom Platz schreiten. Für einige Zuschauer mag ich vielleicht versagt haben- aber für mich persönlich habe ich gewonnen. Ich habe mich nicht unterkriegen lassen und mich meiner größten Herausforderung gestellt. Ich kann vielleicht nicht immer gewinnen, aber ich kann nach jeder Niederlage und jeder Verletzung wieder aufstehen und einen neuen Versuch wagen und das ist mein wahrer Gewinn. 

Nach der Qualifikation nahm mich mein Trainer erst einmal in den Arm und tröstete mich, was wirklich schon sehr gut tat. Aber als mein Freund auch noch plötzlich im olmpischen Dorf stand, um mir Trost über das verpasste Finale zu spenden und trotzdem extrem stolz auf mich war, das waren die wirklich wichtigen und besonderen Momente von Olympia.

Nun möchte ich Euch noch ein bisschen von der Abschlussfeier erzählen. Wir sind alle als geschlossenes Team in das Stadion einmarschiert und waren so überwältigt von unseren Emotionen. Die Abschlussfeier war nicht nur eine grandiose Show, sie hat vielmehr die friedliche Vereiniung aller Nationen wiedergespiegelt, die Freude am Leben, die Freude am Sport und des Beisammenseins. Ich war unheimlich glücklich und traurig, als die Flamme wieder erlosch und damit die Spiele beendet waren. Und in diesem Moment habe ich so deutlich gespürt, warum ich Hochspringerin bin, warum ich soviel auf mich nehme und mich nicht nur im Training quäle. Ich liebe meinen Sport und ich liebe diese magischen Momente, die nicht oft vorkommen mögen, aber wenn sie da sind, dann erfüllen sie mich vollkommen.

Und das ist der Grund, warum es solange weitergeht, wie ich noch Spaß an meinem Sport habe. Natürlich habe ich besonders viel Spaß bei meinen 2m+ Sprüngen gehabt, aber auch bei geringeren Höhen verspüre ich immer noch viel Freude. Es hat zugegeben ein bisschen gedauert, bis ich meine eigenen Erwartungen fallen gelassen habe, um wieder von vorn anzufangen, aber mittlerweile bekomme ich es gut hin und bin glücklich, wieder im Wettkampfgeschehen mitmischen zu können.

Und egal welche Verletzung und welche Herausforderung noch kommt, ich werde immer wieder aufstehen, solange ich die Kraft dazu habe und ich werde für meinen Traum eine Medaille bei den Olympischen Spielen zu erringen, kämpfen.

 



© Ariane Friedrich  -  Kontakt    Impressum